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Fünf der beschriebenen Aspekte der Risikosteuerung sind besonders relevant für die Bemühungen
zur Überwindung der Corona-Krise
Besser auf zukünftige Krisen vorbereitet: Empfehlungen von Risikoforschern

Obwohl frühzeitig vor einer exponentiell wachsenden Pandemie gewarnt wurde, waren die meisten politischen Entscheidungsträger auf der ganzen Welt unvorbereitet und zögerten zu handeln, als sich Covid-19 erstmals aus China auf der ganzen Welt verbreitete. Seitdem hat die Krise zu beispiellosen Einschränkungen geführt und die schlimmste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst. In einem im Journal of Risk Research veröffentlichten Artikel analysieren Aengus Collins, Marie-Valentine Florin (beide EPFL International Risk Governance Center) und der wissenschaftliche Direktor von IASS, Ortwin Renn, die Schlüsselfaktoren und geben Empfehlungen, wie wir uns besser auf zukünftige Krisen vorbereiten können.
Der Artikel gibt einen Überblick über die Ausbreitung von Covid-19 und umreißt sechs Ursachen der Krise: die exponentielle Infektionsrate, die internationale Integration, die unzureichende Kapazität der Gesundheitssysteme in vielen Ländern, Kompetenzkonflikte und mangelnde Voraussicht seitens Bei vielen Regierungsbehörden mussten sich die wirtschaftlichen Auswirkungen der Schließung parallel zur Gesundheitskrise sowie die Schwächen an den Kapitalmärkten infolge der Finanzkrise von 2008 auseinandersetzen. Die vom Autorenteam vorgeschlagenen Lösungen wurden unter Verwendung eines Rahmens entwickelt entwickelt vom International Risk Governance Council, zu dem Ortwin Renn beigetragen hat.

Laut der Studie sind fünf der im Rahmen beschriebenen Aspekte der Risikosteuerung besonders relevant für die Bemühungen zur Überwindung der Corona-Krise. Dementsprechend betonen die Autoren, wie wichtig es ist, die globalen Kapazitäten für die wissenschaftliche und technische Bewertung von Risiken zu erhöhen, um zuverlässige Frühwarnsysteme bereitzustellen. Diese Forschung muss durch eine Analyse des wahrgenommenen Risikos ergänzt werden - d. H. Individuelle und öffentliche Meinung, Bedenken und Wünsche. Das Bewusstsein und die Anerkennung dieser Wahrnehmungen erleichtern eine effektive Krisenkommunikation und ermöglichen es den Behörden, wirksame Richtlinien für die öffentliche Gesundheit herauszugeben. Dies führt zu einer Schlüsselaufgabe für Entscheidungsträger - Risikobewertung: Ob und in welchem ​​Umfang sind Risikominderungsmaßnahmen erforderlich?

Welche Kompromisse werden bei der Entwicklung von Maßnahmen und Beschränkungen festgestellt und wie können sie angesichts des erheblichen Maßes an Unsicherheit auf der Grundlage anerkannter ethischer Kriterien gelöst werden? Diese Charakterisierung und Bewertung des Risikos bietet qualifizierte Optionen für das Risikomanagement. Der Schwerpunkt liegt hier auf der Entwicklung kollektiv verbindlicher Entscheidungen über Maßnahmen zur Minimierung des Leidens der betroffenen Bevölkerung insgesamt sowie auf Strategien zur Minimierung unerwünschter Nebenwirkungen. Eine koordinierte Krisen- und Risikokommunikation, die auf soliden wissenschaftlichen und professionellen Kommunikationskenntnissen beruht, ist entscheidend für den Erfolg der Bemühungen zur Bewältigung der Krise.


Das Autorenteam hat aus seinen Ergebnissen zehn Empfehlungen abgeleitet:
1. Risiken an der Quelle angehen: Bei Pandemien bedeutet dies, die Möglichkeit der Übertragung von Viren von Tieren auf Menschen zu verringern.
2. Auf Warnungen reagieren: Dies umfasst die Überprüfung nationaler und internationaler Risikobewertungen und die Entwicklung besserer Schutzmaßnahmen für Risiken mit besonders schwerwiegenden Auswirkungen.
3. Kompromisse anerkennen: Maßnahmen zur Reduzierung eines bestimmten Risikos wirken sich auf andere Risiken aus. Unerwünschte Nebenwirkungen müssen in Risikobewertungen identifiziert werden.
4. Betrachten Sie die Rolle der Technologie: Wie können maschinelles Lernen und andere Technologien angewendet werden, um die Bewertung, Bereitschaft und Reaktion von Pandemien zu unterstützen?
5. In Resilienz investieren: Durch die Steigerung der organisatorischen Effizienz sind kritische Systeme wie das Gesundheitswesen anfälliger geworden. Ihre Widerstandsfähigkeit muss gestärkt werden, indem beispielsweise die Abhängigkeit von wichtigen Produkten und Dienstleistungen verringert wird.
6. Konzentrieren Sie sich auf die wichtigsten Knotenpunkte des Systems: Die frühzeitige Auferlegung von Beschränkungen für den Flugverkehr hat sich bei der Bekämpfung einer Pandemie als wirksam erwiesen. Ein globaler Notfallfonds könnte eingerichtet werden, um die Kosten solcher Maßnahmen zu decken.
7. Stärkung der Verbindungen zwischen Wissenschaft und Politikgestaltung: Die Länder, in denen den politischen Entscheidungsträgern wissenschaftliche Informationen und wissenschaftlich fundierte politische Ratschläge zur Verfügung stehen, haben größere Erfolge bei der Bekämpfung des Coronavirus erzielt.
8. Aufbau staatlicher Kapazitäten: Die Bekämpfung systemischer Risiken sollte als integraler Aspekt einer verantwortungsvollen Regierungsführung angesehen werden, die kontinuierlich durchgeführt wird und nicht als Notfallreaktion.
9. Verbesserung der Kommunikation: Die Kommunikation um Covid-19 war in einer Reihe von Ländern langsam oder mangelhaft. Eine Lösung wäre die Einrichtung nationaler und internationaler Einheiten für Risikoinformation und -kommunikation.
10. Über soziale Störungen nachdenken: Die Corona-Krise zwingt Menschen und Organisationen, mit neuen Arbeits- und Lebensmustern zu experimentieren. Jetzt ist die Zeit zu überlegen, welche dieser Änderungen längerfristig beibehalten werden sollten.
Veröffentlichung:
Aengus Collins, Marie-Valentine Florin und Ortwin Renn (2020) COVID-19-Risikosteuerung: Treiber, Antworten und Lehren, Journal of Risk Research, DOI: 10.1080 / 13669877.2020.1760332

erschienen am: 2020-06-01 im europaticker



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