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Hausmülldeponie wurde bis 1993 betrieben und 1995 mit einer ca. 2 Meter mächtigen
mineralischen Oberflächenabdeckung abgedeckt

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Landkreis Goslar Altlast Florentz: Bergung der Fassfunde startet

In der kommenden Woche beginnen auf dem Gesamtstandort Morgenstern die Arbeiten zur Bergung der potentiell kontaminierten Fässer, die im Zuge der Deponiesanierung im Juni 2017 entdeckt wurden. Dies teilte am Dienstagabend Landrat Thomas Brych auf einer Informationsveranstaltung im Kreishaus vor rund 50 interessierten Bürgerinnen und Bürgern mit.

Am Standort Morgenstern im Salzgitterschen Höhenzug wurde bis Anfang der 1960er Jahre Eisenerzbergbau zunächst im Tagebau, später auch unter Tage betrieben. In den Jahren von 1963 bis 1969 hat der Betrieb Florentz am Standort Chemikalienabfälle angenommen, aufbereitet und illegal abgelagert bzw. verkippt.

 1970/1971 hat das im Tagebau der Eisenerzgrube befindliche Fasslager gebrannt und konnte erst nach mehreren Wochen durch Überdeckung mit Bodenmaterial endgültig gelöscht werden. Im Anschluss wurden Reste der Chemikalienfässer entsorgt. Ab 1971 wurde der Standort auf seine Eignung für eine geordnete Hausmülldeponie untersucht. Diese wurde 1976 zunächst zur Verfüllung der Tagebaugrube genehmigt. Mitte der 1980er Jahre wurde die Erweiterung der Hausmülldeponie geplant und genehmigt. Die Erweiterung war mit einer Erhöhung und einer Ausdehnung in südwestliche Richtung in den Bereich der ehemaligen Abraumhalden verbunden. Ebenfalls in den 1980er Jahren wurde eine nordöstlich an die Hausmülldeponie angrenzende Boden- und Bauschuttdeponie (BSD) in Betrieb genommen. Dadurch wurde der Großteil des sogenannten Bruchfeldes – des durch den untertägigen Abbau verursachten Bergsturzbereiches -verfüllt.

Die Hausmülldeponie wurde bis 1993 betrieben und 1995 mit einer ca. 2 Meter mächtigen mineralischen Oberflächenabdeckung abgedeckt und anschließend begrünt. Die Hausmülldeponie hat eine Fläche von 62.000 m² und die BSD eine Fläche von 51.000 m2.

Der ehemalige Landrat Stephan Manke hat angesichts der Entwicklung rund um den Gesamtstandort Morgenstern im Jahr 2010 entschieden, eine Projektgruppe zu bilden. Die Projektgruppe setzt sich aus Fachleuten des Fachdienstes Umwelt, des Fachdienstes Gesundheit und der Kreiswirtschaftsbetriebe Goslar zusammen und soll auf der Grundlage eines Projektauftrages den gesamten Sachverhalt aufarbeiten und zukunftsfähige Lösungen entwickeln. Seit Juli 2011 ist in der Projektgruppe zusätzlich das Land Niedersachsen mit Fachleuten aus dem Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim sowie den Niedersächsischen Landesforsten vertreten, seit 2017 auch ein Vertreter des Umweltministeriums.

Brych betonte in diesem Zusammenhang, dass Transparenz bei allen Vorgängen rund um den Standort Morgenstern mit der Altlast Florentz höchste Priorität genießt: „Wir verschweigen nichts, wir beschönigen nichts, sondern wir legen die Karten auf den Tisch und leiten alle notwendigen und verhältnismäßigen Schritte ein und setzen diese um.“

Im weiteren Verlauf berichteten Michael Riesen, Leiter der Projektgruppe Morgenstern, und Simon Flottmann von der unteren Bodenschutzbehörde (uBB) des Landkreises Goslar über die Sanierungs- und Erkundungsfortschritte der vergangenen Monate. Vertreter der Firma Umtec um den geschäftsführenden Gesellschafter, Dr. Klaus Konertz, erläuterten dem Publikum im Anschluss die geplante Bergung. Insgesamt rechnen die Experten des Ingenieurs- und Planungsbüros mit bis zu 150 Fässern im Randbereich der Deponie, die mittels eines Langarmbaggers entfernt, in Spezialcontainer verpackt und dann der fachgerechten Verbrennung zugeführt werden sollen. Rund 15.000 Kubikmeter Erde müssen dafür bewegt werden.

Projektgruppenleiter Michael Riesen gab einen parforcerittartigen Einblick in die wichtigsten Sanierungsmaßnahmen seit 2010. Unter anderem erinnerte Riesen an zentrale Maßnahmen wie den Bau des Sickerwasserspeichers, die Sanierung des Sickerwasserzentralschachtes und der Sickerwasserdrainagen sowie die inzwischen weit fortgeschrittene Abdichtung des Deponiekörpers.

Simon Flottmann umriss in seinem Vortrag die bisher erfolgten Untersuchungen und Sanierungsmaßnahmen der „Chemiealtlast Florentz“. Besonderes Augenmerk warf der junge Geowissenschaftler dabei auf die im vergangenen Jahr erfolgte Bohrung und Einrichtung der Grundwassermessstelle 6 (GWM 6). Zu diesem Zweck brachte eine Fachfirma eine rund 200 Meter umfassende Tiefenbohrung auf die Verbindungsstrecke zwischen den ehemaligen Bergbaugruben Morgenstern und Fortuna herunter.

Dieser Verbindung messen die Altlastenexperten große Bedeutung bei, denn es wird vermutet, dass über diesen Weg ein Großteil des Wassers vom Standort Morgenstern abfließt. Erste Untersuchungen haben ergeben, dass im abströmenden Wasser lediglich Spuren Florentz-typischer Stoffe festgestellt wurden, die jedoch deutlich unter den Belastungsgrenzen liegen. Dies korrespondiert auch mit früheren Probeergebnissen auf dem Gelände der ehemaligen Gruppe Fortuna. Den bisherigen Erkenntnissen folgend kann eine Gefährdung für Mensch und Umwelt ausgeschlossen werden.

Die Ingenieure der Firma Umtec erläuterten, dass die Bergung der Fässer im Randbereich der Deponie in zwei Bauabschnitten erfolgt. Die Arbeiten werden ausschließlich mit speziellen Maschinen wie einem Langarmbagger durchgeführt. Menschen werden die Baugruben zu keinem Zeitpunkt betreten dürfen, da das Risiko möglicher Gefahren nicht abgeschätzt werden kann.

Auf der Fläche der ehemaligen Schachthalle, die Ende 2019 der Abrissbirne zum Opfer fiel, wurde in der Zwischenzeit eine Containerstellfläche eingerichtet, die eine sichere Verladung der potentiell kontaminierten Fracht gewährleistet.

Landrat Thomas Brych erklärte auf Nachfrage aus dem Publikum, dass die Bergung der Fässer mit Sicherheit einen Bruchteil der vorhandenen Chemieabfälle ausmache, dennoch sei dies ein wichtiger und richtiger Schritt. „Alles was wir entfernen, kann künftig auch keine potentielle Gefahr mehr darstellen“, sagte der Chef der Goslarer Kreisverwaltung und trat mit dieser Aussage Kritikern entgegen, die die nun geplante Bergungsaktion als den sprichwörtlichen „Tropfen auf den heißen Stein“ bezeichneten.

Zum Abschluss der Ausführungen skizzierte Riesen die weiteren Schritte der Sanierung. Die Oberflächenabdichtung soll nach Abschluss der Fassbergung noch in diesem Jahr vollendet werden. 2021 folgt dann die Sanierung des ehemaligen Betriebsgeländes.

Riesen machte aber auch deutlich, dass der Gesamtstandort Morgenstern damit nicht ad acta gelegt werden könne: „Die Überwachung und gegebenenfalls auch die weitere Erkundung werden uns noch viele, viele Jahre beschäftigen.“

Die Kosten für die Sanierung der ehemaligen Hausmüll- und Bauschuttdeponie belaufen sich auf rund 20 Millionen Euro. Rund 10 Millionen Euro werden am Ende in die Erkundung und Sanierung der Altlast Florentz geflossen sein.

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erschienen am: 2020-01-13 im europaticker



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