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Die Betriebszeiten des AKW Mühlebergs sind Geschichte. Nun beginnt der anspruchsvolle Rückbau
Zurzeit keine Endlagerlösung in der Schweiz
Rückbau des AKW Mühleberg dauert 15 Jahre

Am Montag haben die Rückbau- und Entsorgungsarbeiten des am 20. Dezember 2019 stillgelegten AKW Mühleberg begonnen. Es ist das erste Kernkraftwerk, dass in der Schweiz entsorgt wird. Die Endlagerung des hochaktiven Atommülls ist jedoch nach wie vor nicht geklärt.

Nach 47 Betriebsjahren ist das AKW Mühleberg Geschichte – das Atomkraftwerk wurde Ende letzten Jahres endgültig stillgelegt. Doch es ist der Anfang einer anspruchsvollen Entsorgungsarbeit. Die Stilllegung und der Rückbau des Reaktors, die letzten Montag begonnen haben, werden voraussichtlich fünfzehn Jahre dauern – erst 2034 soll das Areal an der Aare, 14 km westlich von Bern, bereit sein für eine neue Nutzung.

Rückbau in mehreren Etappen

Als erste Betreiberin der Schweiz lässt die BKW ein Kernkraftwerk stilllegen. Es ist das grösste Projekt des Berner Unternehmens seit dem Bau des AKW Mühleberg vor rund 50 Jahren, wie die BKW auf ihrer Webseite verlautet. Der komplexe Rückbau soll in mehreren Etappen erfolgen.

Zunächst müssen die radioaktiven Brennstäbe vom Reaktor in Lagerbecken verlegt werden. Dort werden sie für einige Jahre unter Wasser abklingen, bevor sie in Transportbehälter, sogenannte «Castoren», verpackt werden können. Ab 2021 bis 2024 sollen die Brennelemente ins zentrale Zwischenlager in Würenlingen transportiert werden. Die verbliebenen radioaktiven Anlagenteile werden ab 2025 demontiert und noch im Reaktorgebäude unter Wasser zerlegt und verpackt. Auch diese kontaminierten Abfälle werden danach nach Würenlingen verfrachtet. Ende 2030 soll nach Angaben der BKW das Gelände komplett frei von radioaktivem Material sein. Die künftige Nutzung des Areals, industriell oder naturnah, wird von den zuständigen Behörden bestimmt. Falls die Gebäude nicht mehr benötigt werden, folgt ab 2031 der konventionelle Abbruch der Anlage und das Areal kann ab 2034 definitiv für eine neue Nutzung verwendet werden.

Zurzeit keine Endlagerlösung in der Schweiz

Mit dem Abtransport des radioaktiven Materials in das Zwischenlager Würenlingen ist die Entsorgung jedoch noch nicht erledigt. Für die Endlagerung der Abfälle braucht es eine sichere Deponie, ein geologisches Tiefenlager. Weltweit ist noch kein Endlager für hochaktive Abfälle in Betrieb, in der Schweiz wurde noch nicht einmal ein passender Standort bestimmt. Ein Tiefenlager muss vor Gletschern und Erosionen geschützt sein – erst wenn ein Gebiet für eine Million Jahre als sicher eingestuft wird, kommt es als Endlager in Frage.

Die Nagra, die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle, überprüft derzeit in der dritten Etappe ihrer Standortwahl drei Gebiete. Mit den Standorten Jura Ost, Zürich Nordost und Nördliche Lägern hat die Nagra drei potentielle geologische Tiefenlager für radioaktive Materialen gefunden. Die Standorte werden in weiteren Untersuchungen für die Endlagerung von radioaktiven Materialien untersucht. Das Untersuchungsverfahren endet voraussichtlich 2029.

Bis eine Lösung für das Endlager gefunden wird, werden die radioaktiven Abfälle des AKW Mühleberg weiter in Würenlingen zerfallen – ein 200 000 Jahre langer Prozess. So lange brauchen die hochaktiven Abfälle nämlich etwa, um die Radioaktivität von der entsprechenden Menge natürlichem Uranerz aufzuweisen. Eine beträchtliche Zeit des Abbaus, wenn man bedenkt, dass die radioaktiven Materialien aus dem AKW Mühleberg gerade mal während 47 Jahren produziert wurden.

Ausstieg aus der Kernenergie

Nach dem Reaktorunfall in Fukushima 2011 haben Bundesrat und Parlament beschlossen, schrittweise aus der Kernenergie auszusteigen. Der Bau neuer Kernkraftwerke wurde verboten, während die bestehenden Atomkraftwerke weiterhin in Betrieb bleiben dürfen – solange keine Sicherheitsrisiken auftreten. Bei einer geschätzten Laufzeit von 60 Jahren geht das letzte Kernkraftwerk in Leibstadt 2044 vom Netz. So wird die Schweiz voraussichtlich bis Mitte des Jahrhunderts kein Atomstrom mehr produzieren.

erschienen am: 2020-01-14 im europaticker



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