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Auftakt zum Runden Tisch Kelbra hinter verschlossenen Türen: „Gordische Knoten
lassen sich lösen“
Stausee Kelbra: Konflikte zwischen verbessertem Hochwasserschutz, mehr Vogelschutz und mehr Tourismus

Die Talsperre Kelbra im Landkreis Mansfeld-Südharz soll trockengelegt werden. Der Grund: Seltene Vögeln sollen so bessere Rückzugsmöglichkeiten bekommen. Die Talsperre Kelbra besteht seit fast 60 Jahren und schützt die Menschen an der Helme vor Hochwasser. Gleichzeitig wertet sie durch ihre vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten die Region auf und schafft touristische Anziehungspunkte. Dabei sind Nutzungskonflikte entstanden, die gelöst werden müssen. Umweltministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert hat im Februar dieses Jahres im Landtag angekündigt, dafür einen Runden Tisch „Stausee Kelbra“ einzuberufen. Hier sollen auf sachlicher Ebene unter neutraler Moderation Lösungen für Interessen- und Nutzungskonflikte gefunden werden. Mit Dr. Hans-Joachim Döring wurde ein erfahrener Moderator für den Runden Tisch gewonnen.

Zum Auftakt für den Runden Tisch gab es Freitag Abend (26.06.2020) ein erstes Treffen vor Ort in Kelbra. Zur Begrüßung erläuterte die Umweltministerin die Ziele: „Mit dem Runden Tisch Talsperre Kelbra möchte ich einen kommunikativen Prozess starten, damit Unsicherheit und Spannungen abgebaut, Erwartungen geklärt, Sachinformationen und Rahmenbedingungen ausgetauscht und Absprachen getroffen werden können.“ Und sie ergänzte zum weiteren Vorgehen: „Ich bin fest davon überzeugt, das sich Knoten -auch wenn sie gordisch erscheinen- lösen lassen. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist die Bereitschaft aller Beteiligten an diesem Prozess mitwirken zu wollen und sich einer sachlichen Diskussion zu stellen. Wir nehmen einander ernst und arbeiten gemeinsam an konkreten Lösungsideen. So entsteht Verständnis und Respekt.“

Die Talsperre Kelbra liegt  mit dem überwiegend grünen Becken auf dem Gebiet des Freistaates Thüringen und dem großen Anteil an Dauerstauflächen auf dem Gebiet des Landes Sachsen-Anhalt. Sie wird vom Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt betrieben.  Die Talsperre ist neben dem Hochwasserschutz  für Brutvögel (Schwarzhalstaucher, Rallen und Entenvögel sowie für brütende Arten des Röhrichts wie z. B. Rohrweihe, Tüpfelsumpfhuhn und Blaukehlchen) und Rastvögel (Kranich und Limikolen wie z. B.  Goldregenpfeifer, Pfuhlschnepfe, Bruchwasserläufer, Kampfläufer, Kiebitzregenpfeifer, Kiebitz, Großer Brachvogel, Uferschnepfe, Bekassine, Grünschenkel, Zwergstrandläufer und Alpenstrandläufer) von besonderer Bedeutung, sie ist ein sehr wichtiges Rastgebiet für den Kranich in Mitteleuropa. Es handelt sich zugleich um ein länderübergreifendes Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung. Dem Schutz dieses Feuchtgebietes kommt eine besondere Bedeutung zu. Die Länder sind verpflichtet unter Berücksichtigung der Schutzerfordernisse entsprechende Maßnahmen für die Rastvögel insbesondere den Kranich zu ergreifen.

Umweltstaatssekretäre aus Sachsen-Anhalt und Thüringen verabreden Kooperation am Stausee Kelbra

Am 3. Mai 2020 hatten sich der Umweltstaatssekretär des Landes Sachsen-Anhalt, Klaus Rehda, und sein Amtskollege aus Thüringen, Olaf Möller, am Stausee Kelbra zu einem Kooperationsgespräch getroffen. Es wurde beraten, wie die einheitliche Bewirtschaftung der Talsperre Kelbra mit einem nachhaltigen Hochwasserschutz unter Berücksichtigung des Vogelschutzes in einem gemeinsamen abgestimmten Vorgehen organisiert und ausgestaltet werden kann.
 
Sachsen-Anhalts Umweltstaatsekretär Rehda sagte dazu: „Die Talsperre ist ein Bauwerk zum Schutz vor Hochwasser. Das hat absolute Priorität. Dann steht der Schutz des Stausees als EU-Vogelschutzgebiet im Vordergrund. Unser Ziel ist es, alle anderen Nutzungen damit in Übereinstimmung zu bringen. Das gemeinsame Vorgehen mit Thüringen wird den Hochwasserschutz und gleichzeitig den Schutz der Vögel verbessern. Beide Länder werden damit ihrer Verantwortung für das Vogelschutzgebiet von überregionaler Bedeutung gerecht. Für Naturinteressierte und die Menschen vor Ort wollen wir ein modernes Besucherzentrum aufbauen, das das auch den Tourismus in der Region stärkt.“
 
Thüringens Umweltstaatsekretär Möller ergänzte: „Wir wollen einen guten Ausgleich zwischen den verschiedenen Nutzer-interessen hier an der Talsperre. Dafür ist diese länderübergreifende Kooperation wichtig. Wir sind uns einig, dass sich Hochwasserschutz sehr wohl mit Artenschutz und touristischer Nutzung verbinden lässt, wenn wir es gut planen und abstimmen. Gerade das neue Besucherzentrum wird für alle die beeindruckende Natur des Stausees erfahrbar machen“
 
Beide Staatssekretäre vereinbarten folgende Punkte einer gemeinsamen Zusammenarbeit:
• Der künftige Betriebsplan der Talsperre wird gemeinsam abgestimmt. Derzeit wird er evaluiert. Es wird eine länderübergreifende Arbeitsgruppe eingerichtet, um eine gemeinsame Ländervereinbarung zu erarbeiten.
• Gemeinsames Ziel ist die Ausgestaltung des Wasserrechts, die Festlegung der gemeinsamen zuständigen Behörde sowie die gesamtheitliche Bewirtschaftung der Talsperre Kelbra mit dem Ziel eines nachhaltigen Hochwasserschutzes und unter Berücksichtigung der Nutzungsanforderungen, insbesondere des Vogelschutzes, sein.
• Es wurde eine länderübergreifende Zusammenarbeit bei der Information und Besucherlenkung zum Kranich und zur Vogelrast vereinbart. Hierfür plant Sachsen-Anhalt in enger Abstimmung mit Thüringer Akteuren den Aufbau eines modernen Besucherzentrums. Zudem werden ab Herbst dieses Jahres auch in Sachsen-Anhalt zwei Ranger zum Schutz der Vögel sowie zur Betreuung von Touristen und Naturinteressierten eingestellt. Im Freistaat Thüringen sind bereits seit Jahren Ranger tätig.

Erstes Treffen zum Kennenlernen – Erfahrener Moderator Döring übernimmt Leitung

Unabhängig vom Runden Tisch ist geplant, dass das derzeit gültige Stauregime des Betriebsplans der Talsperre Kelbra drei Jahre lang evaluiert wird. Die Evaluation wird von einem intensiven Monitoring der Entwicklung der Flora und Fauna rund um den Staussee und der Helme begleitet. Im Juni 2022 wird Bilanz über die Arbeit des Runden Tisches gezogen werden. Darin fließen die Ergebnisse des Monitorings ein.

Moderator Döring ergänzte mit Blick auf gemeinsame Regeln: „Der Runde Tisch dient dazu, sich sachlich auszutauschen und gemeinsam ausgleichende Lösungen zu finden. Dafür brauchen wir Spielregeln, die von allen anerkannt werden. Alle beteiligten Interessegruppen müssen sich auf Delegierte verständigen, die feste Mitglieder des Runden Tisches sein werden. Ich freue mich schon auf die gemeinsame Zusammenarbeit – immer an der Sache orientiert und im Ergebnis offen.“

Die eingeladenen Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Interessengruppen sowie der Kommune und des Landkreises zeigten sich bei der Vorstellung des Konzeptes für den Runden Tisch gestern sehr offen. Von allen wurde die konstruktive Mitarbeit zugesichert. In der sachlichen und ruhigen Aussprache gab es zahlreiche Hinweise zum Kreis der Teilnehmenden für den Runden Tisch. Die Interessengruppen sind aufgefordert, bis zum 25. Juli feste Mitglieder zu benennen.

Die Arbeitssitzungen der Runden Tische werden nicht öffentlich sein. Auf mindestens zwei großen öffentlichen Veranstaltungen werden der Zwischenstand und das Endergebnis präsentiert und zur öffentlichen Diskussion gestellt werden.

Link zum Talsperrenbetrieb und der Talsperre Kelbra: https://www.talsperren-lsa.de/tsb/talsperren/gebietsstaubereich-sued.php

Weitere Informationen zur Talsperre Kelbra: https://mule.sachsen-anhalt.de/umwelt/wasser/hochwasserschutz/talsperre-kelbra/

erschienen am: 2020-06-28 im europaticker



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