europaticker:
PETA appelliert an Schalke 04, es Arminia Bielefeld gleichzutun und die Beziehung zu
Clemens Tönnies umgehend einzustellen
Profit nicht über Tier- und Menschenleid stellen

Schlachtfabrik Tönnies für Tier- und Menschenleid verantwortlich: PETA forderte am Mittwoch, 24.Juni, die Fußballvereine FC Schalke 04 und Arminia Bielefeld auf, sich von dem Sponsorpartner Tönnies Holding und bei Schalke auch vom Aufsichtsratsvorsitzenden und Chef der Holding, Clemens Tönnies, zu trennen: Aufgrund der mehr als 1500 nachweislich mit Corona infizierten Schlachthofmitarbeiter bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück ist der Kreis Gütersloh nun in einem Lockdown. PETA sieht die Ursache des explosionsartigen Infektionsanstiegs in der systematischen Ausbeutung von Menschen und Tieren. Die Qualen der Tiere aufgrund der bei Tönnies angewandten leidvollen Kohlenstoffdioxid-Betäubung sowie die schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten sind seit Jahren bekannt, ohne dass bislang wesentliche Veränderungen eingeleitet wurden. Arminia Bielefeld hat die Zusammenarbeit mit dem Fleischfabrikanten jetzt beendet. Die Tierrechtsorganisation appelliert nun an den gesamten Vorstand des FC Gelsenkirchen-Schalke 04 e.V., ebenfalls einen strikten Schlussstrich unter die Beziehungen zu Clemens Tönnies zu ziehen und die Zusammenarbeit mit ihm als Schalke-Aufsichtsratsvorsitzenden und Sponsor zu beenden.

„Ein Sponsor, der Menschen und Tiere im großen Stil ausbeutet und verunglimpft, ist für renommierte Fußballvereine wie Schalke 04 und Arminia Bielefeld untragbar“, so Ilana Bollag, Fachreferentin bei PETA Deutschland. „Wirtschaftliche Interessen dürfen nicht wichtiger sein als ein ethischer Umgang miteinander – hier muss sich vor allem der Fußball seiner Vorbildfunktion klar sein. Arminia Bielefeld hat sich nun ihrer Verantwortung gestellt und die Kooperation beendet. Nun liegt es an Schalke 04, zu beweisen, dass auch diese Mannschaftsführung eine Grenze kennt, wenn es um Leid von Tieren und Menschen geht.“

Hintergrundinformationen

75 Prozent – somit drei von vier – aller neu auftretenden Infektionskrankheiten wurden vom Tier auf den Menschen übertragen, sind also Zoonosen. Bereits 2004 nannte die Weltgesundheitsorganisation WHO die steigende Nachfrage nach tierischen Produkten als eine der Hauptursachen für die Entstehung von Zoonosen. [1] COVID-19, die Vogelgrippe H5N1, die SARS-Pandemie, das MERS-CoV, das gefährliche Ebolafieber, unzählige Opfer durch multiresistente Keime und sogar Aids – sie alle haben einen gemeinsamen Nenner: den Appetit der Menschen auf Fleisch, Milch und Eier. [2] PETA erinnert daran, dass jedes Mal, wenn ein tierisches Produkt gekauft wird, eine Reihe von Ereignissen in Gang gesetzt wird, die möglicherweise die nächste Zoonose auslösen könnte.

Da die Hauptursache für zoonotische Krankheiten wie COVID-19 der Verzehr von und Handel mit Tieren ist, gehört die landwirtschaftliche Tierhaltung zu den Hauptursachen – und obwohl das Problem der deutschen Politik bekannt ist, bleibt sie tatenlos. Dabei schrieb zum Beispiel der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft schon 2015 in einem Gutachten: „Tierische Lebensmittel bergen grundsätzlich Risiken für die menschliche Gesundheit. Mögliche Beeinträchtigungen der Gesundheit ergeben sich zum einen durch Erreger von Zoonosen, die in den Tierbeständen vorkommen und auf unterschiedlichen Wegen zu den Konsumenten/Konsumentinnen gelangen können, zum anderen durch verschiedene stoffliche Belastungen aus der Tierhaltung sowie durch die Entstehung von Resistenzen gegenüber Medikamenten.“ [3]

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen oder sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

Im Kreis Borken lebende und in niederländischer Großschlachterei in Groenlo tätige Arbeitskräfte werden symptomunhängig stichprobenartig getestet Enge Kooperation des Kreisgesundheitsamtes Borken mit dem niederländischen Gesundheitsdienst GGD

Auf Veranlassung von Landrat Dr. Kai Zwicker sind in den vergangenen Tagen ein zweites Mal die Belegschaften der fleischverarbeitenden Betriebe im Kreis Borken auf das Coronavirus getestet worden – erfreuliches Ergebnis daraufhin: alle Proben waren negativ. Nun werden nach Testungen im Mai und Anfang Juni ebenfalls erneut die in der Regel osteuropäischen Werkvertragsnehmer in den Blick genommen, die einem großen Schlachtbetrieb im niederländischen Groenlo arbeiten, aber im Kreis Borken leben. Wie Dr. Zwicker mitteilt, kommt es dabei auf seine Bitte hin zu einer ganz besonderen grenzüberschreitenden Kooperation: Der niederländische Gesundheitsdienst GGD wird bis auf weiteres im wöchentlichen Rhythmus symptomunabhängig aus diesem Personenkreis stichprobenartig jeweils 20 Arbeitskräfte testen und die Ergebnisse zur Verfügung stellen. Darüber hinaus wird die niederländische Sicherheitsregion VNOG ein Monitoring durchführen. Das heißt, der Gesundheitszustand der dortigen Belegschaft wird fortlaufend beobachtet, um bei Auftreten von möglichen Infektionsanzeichen sofort reagieren zu können.

Landrat Dr. Zwicker zeigt sich sehr dankbar für das Entgegenkommen der zuständigen niederländischen Behörden. Auf diese Weise werde sichergestellt, dass der Kreis Borken schnell einen Überblick über das Geschehen erhält. Eine solche Mitwirkung sei nicht selbstverständlich und er werte dies als besonderen Ausdruck der gutnachbarschaftlichen Beziehungen über die deutsch-niederländische Grenze hinweg, betont der Landrat.

[1] WHO/FAO/OIE (2004): Report of the WHO/FAO/OIE joint consultation on emerging zoonotic diseases. Online abrufbar unter: https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/68899/WHO_CDS_CPE_ZFK_2004.9.pdf?fbclid=IwAR2ha8hDMHV8gDJYEadsk7-lxLS84Z3kSlq3E4-zG5kaWUh1Xc5vgJhTsJ4. (20.04.2020).

[2] Bundesministerium für Bildung und Forschung (2011): Gefährliche Eindringlinge – Droht nach der Schweine- und Vogelgrippe in Zukunft eine Fledermausgrippe?. Online abrufbar unter: https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/gefahrliche-eindringlinge-droht-nach-der-schweine-und-vogelgrippe-in-zukunft-eine-3200.php. (20.04.2020).

[3] Wissenschaftlicher Beirat für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2015): Wege zu einer gesellschaftlich akzeptieren Nutztierhaltung. Gutachten. Online abrufbar unter: https://buel.bmel.de/index.php/buel/article/view/82/Nutztiergutachten%20-%20Sonderheft%20221%20-%20B%C3%BCL-html. (07.05.2020).

erschienen am: 2020-06-29 im europaticker



Wir verwenden keine Cookies, weil uns das Surfverhalten von mehr als 1 Millionen Besucher monatlich nichts angeht.

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu dem Beitrag:
Ihre Meinung ist uns wichtig!

Impressum (Kurzfassung):
EUROPATICKER mit den Magazinen: Umweltruf, Korruptionsreport und Green IT
Das Magazin mit Hintergrund aus der Entsorgungsbranche
Deutscher Presserat (ID-Nummer 3690)

Herausgeber Hans Stephani
Beratender Betriebswirt - Journalist - Autor
Blumenstr. 11, 39291 Möser
Telefon: 039222 - 4125 Telefax: 039222 - 66664
Der EUROPATICKER Umweltruf erscheint im 21. Jahrgang. Das Ersterscheinungsdatum war der 20. März 2000.

Für die Titel: EUROPATICKER, KORRUPTIONSREPORT und UMWELTRUF nehmen ich Titelschutz nach § 5 Abs. 3 MarkenG. in Anspruch.
Ich unterliege dem Presserecht des Landes Sachsen-Anhalt.
Verantwortlich im Sinne des Presserechtes und nach Telemediengestz (TMG) ist: Diplom-Betriebswirt Hans Stephani.

Anzeigenverwaltung:
EUROPATICKER - Verlag  GmbH, Eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Stendal unter der Nummer B 2311, Geschäftsführer: Beatrix Stephani, Steuerliche Angaben: Finanzamt Genthin Steuernummer: 103/106/00739, Blumenstr. 11 D-39291 Möser Telefon: 039222 4125, Telefax: telefax@europaticker.de

    Zurück zum Nachrichtenüberblick                                    Diese Meldung ausdrucken