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Vorsätzliche gefährliche Körperverletzung bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück
PETA erstattet Strafanzeige gegen Schlachtbetrieb

Im Tönnies-Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück wurde das Coronavirus bereits bei mehr als 1.500 Mitarbeitern nachgewiesen. PETA sieht die Ursache des explosionsartigen Infektionsanstiegs in der systematischen Ausbeutung von Menschen und Tieren: Die Qualen der Tiere aufgrund der bei Tönnies angewandten leidvollen Kohlenstoffdioxid-Betäubung sowie die schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten sind seit Jahren bekannt, ohne dass bislang wesentliche Veränderungen eingeleitet wurden. PETA wirft der Unternehmensleitung vor, Corona-Infektionen und eine potenzielle Krankheitsverbreitung wissentlich in Kauf genommen zu haben. Wegen des Verdachts der vorsätzlichen gefährlichen Körperverletzung und des Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz hat die Tierrechtsorganisation daher nun bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld Strafanzeige gegen die Geschäftsführung von Tönnies erstattet.

„Der Corona-Skandal bei Tönnies zeigt wieder einmal, dass der Profit in dieser Branche über das Wohl von Menschen, Tieren und der Allgemeinheit gestellt wird – offenbar werden dabei auch geltende Gesetze und gesellschaftliche Moralvorstellungen missachtet“, so Sandrina König, Justiziarin und Tierärztin bei PETA. „Die Gewalt gegenüber fühlenden Lebewesen im System der industriellen Tierhaltung muss endlich ernsthaft mit allen rechtlichen und politischen Möglichkeiten verfolgt werden.“

Tatbestand auch ohne COVID-19-Erkrankung erfüllt

In ihrer Anzeige weist PETA darauf hin, dass bereits die Infektion mit SARS-CoV-2 wegen der potenziellen Gefährlichkeit der Krankheit COVID-19 eine Gesundheitsschädigung im Sinne des Tatbestandes der gefährlichen Körperverletzung ist – unabhängig davon, ob Infizierte tatsächlich erkranken. Die Organisation kritisiert scharf, dass Tönnies für die Gewinnmaximierung bis zum Produktionsstopp wissentlich weitere Infektionen riskiert hat. PETA warnt zudem vor drohenden Tierschutzproblemen durch die Corona-bedingte Schließung des Tönnies-Schlachthofes: Denn die zur Schlachtung vorgesehenen Schweine können in den Mastbetrieben nicht mehr länger versorgt werden.

Tönnies verweigert seit Jahren dringend notwendige Veränderungen in der Fleischindustrie

Noch im Mai sprach sich Geschäftsführer Clemens Tönnies gegen die Abschaffung des Werkvertragssystem in der Fleischindustrie aus, das die Hauptursache für die schlechten Lebensbedingungen der Mitarbeiter ist. [1] Trotz eindeutiger Studienergebnisse der eigenen Forschungsstiftung verweigert das Unternehmen seit Jahren auch die Umstellung des Betäubungssystems für Schweine auf weniger leidvolle Methoden. [2] Bei Tönnies werden täglich 20.000 Schweine mit Kohlenstoffdioxid betäubt, obwohl bekannt ist, dass diese Praxis heftige Erstickungsgefühle, Atemnot und Todesangst hervorruft. [3] Noch bevor die sensiblen Tiere bewusstlos werden, zeigen sie ihr Leid durch deutliche Abwehrreaktionen wie Fluchtversuchen, Zurückdrängen oder Kopfschütteln.

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen oder sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

[1] ZEIT (2020): Fleischindustrie. Tönnies warnt Regierung vor Abschaffung von Werkverträgen. In: ZEIT ONLINE. Online abrufbar unter: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-05/fleischindustrie-werkvertraege-clemens-toennies-hubertus-heil. (25.06.2020).

[2] Machtolf, Muriel/Troeger, Klaus (2012): Untersuchungen zu nicht aversiv wirkenden Gasnarkoseverfahren für Schlachtschweine. Online abrufbar unter: http://www.toennies-forschung.de/download/projekte/nicht-aversiv-wirkende-gasnarkoseverfahren/abschlussbericht_nicht-aversiv-wirkende-gasnarkoseverfahren_2012.pdf. (23.06.2020).

[3] Machold, Ulrike (2015): Kohlendioxid-Betäubung beim Schwein – Gibt es eine tierschutzgerechtere Gasbetäubung? Online abrufbar unter: https://docplayer.org/20932901-Kohlendioxid-betaeubung-beim-schwein-gibt-es-eine-tierschutzgerechtere.html. (23.06.2020).

erschienen am: 2020-06-28 im europaticker



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