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Projekt „Bunte Biomasse“ verbindet Energiegewinnung mit Natur- und Umweltschutz
Wildpflanzen statt Mais zur Biogasgewinnung

Farbenprächtige Wildblumen, soweit das Auge reicht. Das Blütenmeer ist nicht nur schön anzusehen. Landwirt Richard Schulte aus Delbrück-Westenholz lässt auf seinem Acker Buntes blühen, um Bienen und Schmetterlingen, Goldammer, Rebhuhn, Feldhase und vielen anderen Bewohnern der Feldflur ein Zuhause zu geben. Auch viele Vogel- und Fledermausarten finden hier Raum zum Leben. Gleichzeitig sind die blühenden Pflanzenfelder für Schulte ein Wirtschaftsfaktor: Statt Mais baut er Wildblumenmischungen an. Die abgeernteten Pflanzen kommen in die Biogasanlage und dienen der Energiegewinnung.

Nachhaltig Energie erzeugen, und das auch noch mit dem Arten- und Naturschutz zu verbinden, ist die Grundidee des Projekts „Bunte Biomasse“, das die Veolia Stiftung, der Deutsche Jagdverband und die Deutsche Wildtier Stiftung im Frühjahr 2019 ins Leben gerufen haben. „Bunte Biomasse“ geht jetzt auch im Kreis Paderborn an den Start. In den kommenden 3 Jahren sollen auf 50 ha Wildpflanzen statt Mais zur Biogasgewinnung angebaut werden. Projektbeteiligte sind der Landwirtschaftliche Kreisverband Paderborn, die Landwirtschaftskammer OWL sowie der Kreis Paderborn. 10 Landwirte sowie Biogasanlagen-Betreiber konnten für das Projekt gewonnen werden. Landrat Manfred Müller dankte allen Beteiligten und natürlich den Landwirten für ihr Engagement. „Dieses Projekt hat nur Gewinner: den Klimaschutz, die Artenvielfalt mit ihrer Insektenvielfalt durch Reduzierung der Mais-Monokulturen, aber auch das in der Vergangenheit arg dezimierte Niederwild (Hasen, Fasane etc.) profitiert nachweislich. Diese alternative Anbaumethode dient der Jägerschaft ebenso wie der Landwirtschaft. Ich bin froh und dankbar, dass hier so viele mitmachen für mehr Natur- und Umweltschutz vor der eigenen Haustür“, bekräftigt der Landrat.

Das Artensterben hat auch in der heimischen Feldflur dramatische Ausmaße angenommen. Eine Million Tier- und Pflanzenarten stehen vor dem Aussterben, hatte der Weltrat für Biodiversität bereits im Frühjahr letzten Jahres gewarnt. Wer mit dem Fahrrad oder zu Fuß durch Feld und Flur unterwegs ist, sieht garantiert irgendwo Maisfelder. Bundesweit werden auf jedem fünften Hektar der landwirtschaftlich genutzten Flächen nachwachsende Rohstoffe angebaut, hauptsächlich zur Energieerzeugung. Die Veolia Stiftung, der Deutsche Jagdverband und die Deutsche Wildtier Stiftung haben es sich zum Ziel gesetzt, die Biogasgewinnung enger an den Natur- und Artenschutz zu koppeln. Bundesweit sollen auf mindestens 500 Hektar mehrjährige Wildpflanzenkulturen statt Mais angebaut werden. Gesucht werden Landwirte, die bereit sind, einen kleinen Teil ihrer Ackerflächen auf diese Weise zu bestellen. Und natürlich Biosgasanlagen-Betreiber, die bereit sind, die alternativen Pflanzen anzunehmen. Immerhin 10 % dieser angestrebten Flächen befinden sich jetzt im Kreis Paderborn. Finanziell unterstützt werden die Landwirte mit 250 Euro pro Jahr und ha für drei Jahre, um den Minderertrag gegenüber dem Mais auszugleichen. Denn bei der Vergärung kommt die Biomasse der Wildblumenpflanzen auf rund 65 % des Biogases im Vergleich zu Mais. Allerdings kommen die Wildblumen mit Trockenheit der Felder wesentlich besser zurecht und liefern deshalb mehr Ertrag. Auch arbeitet dann in den Folgejahren die Natur für den Menschen, der Boden wird nicht weiter ausgetrocknet. Die Hälfte zahlt der Kreis Paderborn, insgesamt 18.750 Euro. Das Geld stammt aus so genannten Ersatzgeldern, die zum Ausgleich von Eingriffen in Natur und Landschaft bei baulichen Maßnahmen eingenommen wurden. Die andere Hälfte übernehmen die Deutsche Wildtier Stiftung gemeinsam mit der Veolia Stiftung und dem Deutschen Jagdverband.

Die Teilnahme an „Bunte Biomasse“ war auf einer gemeinsamen Informationsveranstaltung des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Paderborn, der Landwirtschaftskammer OWL und dem Kreis Paderborn im Herbst vergangenen Jahres beschlossen worden. Landwirt Schulte erläuterte den Teilnehmenden, dass die Vielfalt der unterschiedlichen Feldfrüchte, der Wechsel von Mais und Wildblumen und ihre unterschiedlichen Erntezeiten dazu beitragen, dass die Tiere ganzjährig Nahrung und Deckung finden: Wenn die Wildpflanzen im Juli/August geerntet werden, finden die Tiere im Mais Schutz. Folgt dann der Mais im Oktober, stehen schon wieder die ersten Stauden der Wildblumen. Schnell stand der Entschluss, das gute Beispiel von Landwirt Richard Schulte als Leuchtturm-Projekt in die Fläche zu tragen. „Das Projekt findet auch die ausdrückliche Unterstützung der Jägerinnen und Jäger im Kreis Paderborn“, betont der stellvertretende Vorsitzende der Kreisjägerschaft Paderborn, Rudolf Hagenbrock.

Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung in Hamburg lobte diese neue Partnerschaft für den Natur- und Umweltschutz. „Die ökologischen Effekte sind überzeugend. Deshalb freuen wir uns sehr über das Engagement im Kreis Paderborn für den Natur- und Artenschutz“, betont Kinser, der daraufsetzt, dass weitere Partner sich für das Projekt „Bunte Biomasse“ überzeugen lassen.

erschienen am: 2020-07-20 im europaticker



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