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Wildtierschutz: Neues Bundesjagdgesetz läuft ins Leere – noch mehr Abschüsse sind keine Lösung
Mehr Schutz für Wald und Wild – Bundesministerin Julia Klöckner legt Novellierung des Bundesjagdgesetz

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, hat einen Entwurf zur Änderung des Bundesjagdgesetzes (BJagdG) vorgelegt. Das Gesetz soll unter anderem einen angemessenen Ausgleich zwischen Wald und Wild herstellen, die Jägerprüfungsordnung vereinheitlichen sowie die Bleiabgabe von Büchsenmunition an die Umwelt verringern.

Klöckners seit dieser Woche vorliegender Referentenentwurf zur Novellierung des Bundesjagdgesetzes beabsichtigt mittels der Jagd die Versäumnisse der Forstpolitik der vergangenen Jahrzehnte wettzumachen. Die Änderungen des Gesetzes zielen im Wesentlichen darauf ab, eine „Naturverjüngung des Waldes im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen“ zu ermöglichen.

„Das durchaus bestehende Problem der Schädigung von jungen Bäumen durch Rehe und andere Paarhufer des Waldes (sog. Schalenwild) ist durch noch mehr Abschüsse nicht in den Griff zu bekommen“, ist Lovis Kauertz, Vorsitzender von Wildtierschutz Deutschland e.V., überzeugt. „Beispiel Baden-Württemberg, dort wurden in den vergangenen zehn Jahren die Abschüsse insbesondere in den staatlichen Forsten extrem erhöht. Insgesamt um über 40 Prozent auf zuletzt über 225.000 Rehe. Signifikante Auswirkungen auf Verbiss- oder andere Schäden durch das Schalenwild sind dennoch nicht zu verzeichnen.“

Gründe für die teilweise hohe Schädigung von jungen Forstkulturen sieht Kauertz gerade im hohen Jagddruck in Deutschland: „Das Wild wird quasi ganzjährig bejagt und damit beunruhigt, es gibt keine jagdfreien Äsungsflächen und auch keine Übergangszonen vom Feldacker zum Waldacker.“ Wer das Rehwild insbesondere in der nahrungsarmen Winterzeit durch die Jagd beunruhigt, müsse sich nicht wundern, wenn der dadurch entstehende Energiebedarf an den Knospen junger Bäume gesättigt wird.

Der Entwurf zum überarbeiteten Jagdgesetz fordert u.a. die jährliche Vereinbarung von Mindestabschussquoten von Schalenwild. Auch soll das Verbot von Nachtzielgeräten für Wildschweine gänzlich aufgehoben werden. Beide Maßnahmen werden wohl zur ganzjährigen Intensivierung der Jagd führen. Am Ende bleiben dann vielleicht 100.000 Rehe mehr auf der Strecke. Geholfen ist dem Wald damit nicht, weil zum einen der Verbiss auf hohem Niveau gehalten wird und zum anderen die Biologie des Rehwilds unterschätzt wird. Die Tiere werden mit einer höheren Reproduktion die Verluste durch die Jagd ausgleichen, dann bekommt die Ricke halt in der Regel zwei Kitze.

Die Klöckner-Novellierung lässt ganz wesentlichen Änderungsbedarf der Jagdgesetzgebung außen vor. So wäre es an der Zeit gewesen, unbestimmte Rechtsbegriffe wie „Weidgerechtigkeit“ oder „Hege“ durch klare, nachvollziehbare und kontrollierbare Definitionen zu ersetzen. Vor 26 Jahren ist der Tierschutz zum Staatsziel erklärt worden. Im Bereich der Jagd hat sich seitdem – abgesehen von Ausnahmen in Bundesländern mit grüner Regierungsbeteiligung – nicht viel getan. Vor allen Dingen steht nach wie vor die Überprüfung des Verzeichnisses der jagdbaren Arten hinsichtlich eines vernünftigen Grunds gemäß des Tierschutzgesetzes an.

Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Bundesjagdgesetzes und des Bundesnaturschutzgesetzes (PDF, 494KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Wesentliche Punkte sind:

Darüber hinaus setzt der Gesetzentwurf Ergebnisse des Waldgipfels der Bundesministerin vom September 2019 zur Thematik ‚Wald und Wild‘ um:

Bundesministerin Julia Klöckner: „Mit dem Gesetz wollen wir einen tragfähigen Ausgleich zwischen Wald und Wild erreichen und gewährleisten, dass Jungpflanzen auch ohne Zaunschutz aufwachsen können. Das ist entscheidend für den klimaresistenten Waldumbau. Dabei setzen wir auf die Eigenverantwortung vor Ort. Wichtig war uns zudem, die Regelungen zur Jagdmunition an die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse anzupassen: So wenig Blei wie nötig, so viel Tierschutz wie möglich – das ist die Maxime.“

Vorgesehen im Gesetzentwurf sind weiterhin die folgenden Änderungen:

Der Gesetzentwurf geht nun in die Länder- und Verbändeanhörung.

Die Kabinettsvorlage ist für September 2020 geplant.

Den Referentenentwurf finden Sie unter folgendem Link:

https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Glaeserne-Gesetze/Referentenentwuerfe/ref-entw-b-jagd-g.html

Über Wildtierschutz Deutschland e.V. – www.wildtierschutz-deutschland.de

Wildtierschutz Deutschland wurde 2011 gegründet und setzt sich seitdem für die Abschaffung der Hobbyjagd ein. Außerdem engagiert sich der Verein für die Aufnahme, Versorgung und Auswilderung von in Not geratenen Wildtieren.

erschienen am: 2020-07-30 im europaticker



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