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Die massiven Umfassungsmauern sowie das Sheddach sind stark sanierungsbedürftig
Fast eine Million Euro für die Chemnitzer Hartmann-Fabrikhalle

Staatsminister Thomas Schmidt hat Sonnabend (12. September 2020) in Chemnitz dem Eigentümer der denkmalgeschützten Hartmann-Fabrikhalle, Udo Pfeifer, einen Fördermittelbescheid zur Sanierung des Gebäudes überreicht. Insgesamt 970 000 Euro werden aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm IX der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie aus Mitteln des Freistaates Sachsen zur Verfügung gestellt, um den baulichen Erhalt der ehemaligen Maschinenbauhalle der Firma Richard Hartmann / Sächsische Maschinenfabrik AG sicherzustellen.

Richard Hartmann schuf mit der Sächsischen Maschinenfabrik AG ein wirtschaftliches Imperium, das vor allem mit dem Lokomotivbau weltweite Geltung gewann. Hauptkunde waren die Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen, was Hartmann den Titel »Sächsischer Lokomotivkönig« einbrachte. Sein Betrieb fertigte auch andere Maschinen, wie zum Beispiel Mühlentechnik, Turbinen, Webstühle, Dampf- und Spinnmaschinen. Hartmann war ein Vertreter des frühen Unternehmertums, welches die Industrialisierung Sachsens zügig vorantrieb und Sachsen eine weit über seine Grenzen hinausreichende Bedeutung als moderner Produktionsstandort verlieh. Von den ausgedehnten Fabrikbauten am Nordhang des Chemnitzer Kaßbergs, in denen um 1870 bereits 2 700 Arbeiter beschäftigt waren, hat als letztes Zeugnis der eigentlichen Produktionsanlage nur die Sheddachhalle überlebt.

Die nicht repräsentativ gestalteten Rückfassaden zeigen zahlreiche Spuren unmittelbar angrenzender Hallenbauten und zugehöriger Verbindungsöffnungen und verweisen so auf den ehemals größeren Komplex. Im Inneren belegen die Gußstützen und verzierten Galeriebrüstungen eine Bauzeit zwischen 1860 und 1870. Die Sheddachkonstruktion aus bewehrten Betonunterzügen und Stützen ist jünger und zeigt, dass die Bausubstanz stets den innerbetrieblichen Anforderungen sich ändernder Produktionsbedingungen angepasst wurde. Sheddächer bewirken eine intensive, aber diffus verteilte Beleuchtung, die für viele Arbeitsprozesse günstig war. Weit über die lokale Bedeutung hinaus prägt die Shedhalle als Zeugnis der um 1800 von England ausgehend auch auf dem Kontinent einsetzenden Industrialisierung das nationale kulturelle Erbe Deutschlands entscheidend mit. Sachsen gehörte zu den am frühesten von den gewaltigen Umstrukturierungen erfassten Regionen, in denen sich wiederum Chemnitz wegen des Maschinenbaus den Titel des »Sächsischen Manchester« erwarb.

»Ich wünsche Herrn Pfeifer und allen Beteiligten viel Ausdauer bei der Sanierung der Hartmann-Fabrikhalle. Ohne engagierte Denkmalschützer, die sich solch enormen Vorhaben annehmen, wäre ein flächendeckender Erhalt unserer Kultur- und Industriedenkmale kaum möglich«, sagte Staatsminister Schmidt. »Gerade die Anlagen der Hartmann AG prägen die Stadt Chemnitz. Diese Fabrikhalle ist dabei ein wichtiges Zeugnis der Industrialisierung Sachsens. Ich freue mich sehr, dass dieser letzte Teil der eigentlichen Hartmann-Produktionsstätten jetzt eine Rolle in der Bewerbung zur ‚Kulturhauptstadt Europas 2025‘ erhält.«

Die massiven Umfassungsmauern sowie das Sheddach sind stark sanierungsbedürftig. Die Fassade und Fenstergliederungen sollen erneuert bzw. erhalten werden. Die Verglasungen und Gußstützen sollen restauriert werden. Für diese Maßnahmen wird mit Gesamtkosten in Höhe von rund 4 985 000 Euro geplant. Eine erste öffentliche Nutzung ist durch die Stadt Chemnitz im Rahmen der Bewerbung »Kulturhauptstadt Europas 2025« vorgesehen.

Seit 2007 hat die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im Rahmen von inzwischen neun Denkmalschutz-Sonderprogrammen insgesamt rund 310 Millionen Euro bereitgestellt, mit denen dringende Sanierungsarbeiten an fast 2 000 kulturell bedeutsamen Denkmälern und historischen Orgeln in ganz Deutschland ermöglicht wurden. Zur Förderung national wertvoller und besonders hochwertiger sächsischer Kulturdenkmale wurde durch den Freistaat Sachsen im Jahr 2013 erstmals ein eigenständiges Förderprogramm (Sonderprogramm Denkmalpflege) aufgelegt. Vorrangig werden über dieses Programm Mittel zur Kofinanzierung von Bundesförderprogrammen (u. a. Denkmalpflegeprogramm, Denkmalschutz-Sonderprogramm) bereitgestellt. Die für die Kofinanzierung nicht benötigten Mittel stehen dem Freistaat Sachsen für Einzelfördermaßnahmen zur Verfügung.

Aufgrund des hohen Bedarfs an Fördermitteln für die reiche sächsische Denkmallandschaft wurden die Haushaltsmittel für das Sonderprogramm Denkmalpflege im Doppelhaushalt 2019/2020 auf jährlich zehn Millionen Euro erhöht. Die Hartmann-Fabrikhalle Chemnitz ist eines von 19 im Rahmen des DS IX geförderten und vom Freistaat kofinanzierten Vorhaben in Sachsen.

erschienen am: 2020-09-13 im europaticker



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