europaticker:
Industrielle Kunststoffgranulate, auch Pellets oder Meerjungfrauentränen genannt, sind kleine Kugeln,
die als Grundmaterial für fast alle unsere Kunststoffgegenstände dienen
Industrieplastikgranulat: Neuer Bericht von Surfrider Europe schlägt Alarm

Aufgrund ihrer geringen Größe (in der Regel weniger als 5 mm) und der schlechten Praxis werden Pellets häufig auf allen Stufen der Produktions- und Vertriebskette von Kunststoff (Herstellung, Transport, Recycling usw.) "verloren". Nach Schätzungen eines Berichts, den die Europäische Kommission 2018 in Auftrag gegeben hat, gehen der Industrie in der Europäischen Union jährlich rund 160 000 Tonnen Kunststoffgranulat "verloren". Weltweit landen jedes Jahr mehr als 250 000 Tonnen Kunststoffgranulat in der aquatischen Umwelt. Die Verschmutzung durch Kunststoffgranulat ist somit die zweitwichtigste Quelle der mikroplastischen (primären) Verschmutzung.

Sobald die Pellets in die Natur gelangt sind, bleiben sie hunderte von Jahrenin der Umwelt, was zu irreversiblen Schäden an der biologischen Vielfalt und den marinen und terrestrischen Lebensräumen führt. Pellets können von Tieren verschluckt werden, die sie mit Fischeiern verwechseln, was ihren Magen verstopfen und oft ihren Tod verursacht. Sie teilen sich und integrieren allmählich die Nahrungskette, bis hin zu den Fischen, die wir essen, was ein potenzielles Risiko für die menschliche Gesundheit darstellt.

Darüber hinaus wirken Pellets - wie alle anderen Kunststoffe - als "Schwammerl" mit toxischen Produkten und Bakterien in der Meeresumwelt, die zu den bereits schädlichen Zusatzstoffen in Pellets hinzukommen und ihre Toxizität noch erhöhen.

Eine aufschlussreiche Europatour

In dem von Surfrider Europe im Namen der Koalition Rethink Plastic veröffentlichten Bericht werden fünf aktuelle Fälle von Verschmutzung durch Industriekunstgranulatin verschiedenen europäischen Ländern aufgezeigt: eine Einleitung in Nordfrankreich, ein Unfall in der Nordsee (Norwegen, Schweden und Dänemark) und die kontinuierliche Verschmutzung durch die Pelletsfabriken in Tarragona (Spanien), Antwerpen (Belgien) und Rotterdam (Niederlande).

In dem Bericht wird auf sehr besorgniserregende, häufig kontinuierliche und strukturelle Verschmutzungserscheinungen in der Nähe der großen Produktions- und Verarbeitungsbetriebe für Kunststoffe in Europa (Antwerpen, Tarragona und Rotterdam) hingewiesen. Einer der im Bericht angesprochenen Fälle - Tarragona, Spanien - ist Gegenstand eines Kampfes der Vereinigung im Rahmen ihres Programms der Coastal Defenders. Überall sind die Folgen katastrophal. In den meisten Fällen werden Natura-2000-Gebiete durch Umweltverschmutzungen gefährdet und empfindliche Ökosystemegefährdet. Die zahlreichen und teuren Reinigungen, die durchgeführt werden, sind bestenfalls unvollständig,schlimmstenfalls ineffektiv,wobei sich die Pellets schnell nach dem Wind oder den Meeresströmungen ausbreiten und die neuen Pellets einige Zeit später wieder auftauchen. In sehr wenigen Fällen sind die Verursacher bekannt oder erkennen ihre Verantwortung an. In den meisten Fällen werden die Verantwortlichen nicht ermittelt; und die Akteure der Produktions- und Verarbeitungskette für Kunststoffe schieben sich oft die Schuld zu.

Wie kann diesem Phänomen der massiven Umweltverschmutzung begegnet werden?

In den letzten 30 Jahren versuchen einige dieser Akteure in der Plastikkette, das Problem zu lösen, indem sie bewährte Praktiken durch eine Initiative namens "Operation Clean Sweep" fördern. Die Initiative basiert auf einer freiwilligen und unverbindlichen Grundlage und hat ihre Wirksamkeit noch nicht unter Beweis gestellt, insbesondere im Hinblick auf die in dem Bericht aufgezeigten Fallstudien.

Die Bürger sind beunruhigt und mobilisieren sich angesichts dieser dramatischen Verschmutzung: In Antwerpen beispielsweise unternehmen die Verbände alles, um den Bau neuer Fabriken zu verhindern, die die Pelletsproduktion speisen.

Die Situation ist sehr besorgniserregend, zumal diese Verschmutzung zu den 12 Millionen Tonnen Plastikhinzukommt, die jedes Jahr in den Ozean gelangen, während sich die Kunststoffproduktion bis 2050 vervierfachen wird.

Angesichts des Ausmaßes der Umweltverschmutzung und der irreversiblen Schäden, die sie verursacht, fordern Surfrider Europe und seine Partner die europäischen Institutionen auf, dringend Maßnahmen in das Gesetz aufzunehmen, um die Tätigkeiten der Industrie zu regulieren und um sicherzustellen, dass endlich bewährte Verfahren in der gesamten Kunststoffkette eingeführt werden, um den Verlust von Pellets in der Umwelt einzudämmen und zu stoppen.

Bericht lesen

erschienen am: 2020-11-19 im europaticker



Wir verwenden keine Cookies, weil uns das Surfverhalten von mehr als 1 Millionen Besucher monatlich nichts angeht.

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu dem Beitrag:
Ihre Meinung ist uns wichtig!

Impressum (Kurzfassung):
EUROPATICKER mit den Magazinen: Umweltruf, Korruptionsreport und Green IT
Das Magazin mit Hintergrund aus der Entsorgungsbranche
Deutscher Presserat (ID-Nummer 3690)

Herausgeber Hans Stephani
Beratender Betriebswirt - Journalist - Autor
Blumenstr. 11, 39291 Möser
Telefon: 039222 - 4125 Telefax: 039222 - 66664
Der EUROPATICKER Umweltruf erscheint im 21. Jahrgang. Das Ersterscheinungsdatum war der 20. März 2000.

Für die Titel: EUROPATICKER, KORRUPTIONSREPORT und UMWELTRUF nehmen ich Titelschutz nach § 5 Abs. 3 MarkenG. in Anspruch.
Ich unterliege dem Presserecht des Landes Sachsen-Anhalt.
Verantwortlich im Sinne des Presserechtes und nach Telemediengestz (TMG) ist: Diplom-Betriebswirt Hans Stephani.

Anzeigenverwaltung:
EUROPATICKER - Verlag  GmbH, Eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Stendal unter der Nummer B 2311, Geschäftsführer: Beatrix Stephani, Steuerliche Angaben: Finanzamt Genthin Steuernummer: 103/106/00739, Blumenstr. 11 D-39291 Möser Telefon: 039222 4125, Telefax: telefax@europaticker.de

    Zurück zum Nachrichtenüberblick                                    Diese Meldung ausdrucken