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Das Umweltbundesamt und die Zentrale Stelle Verpackungsregister sind größtenteils zufrieden
WWF: Damit verkennen sie Defizite - UBA: Onlinemarktplätze müssen besser kontrolliert werden
VerpackG: Zu früh für positive Bilanz

In einer gemeinsamen Pressekonferenz resümieren die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) und das Umweltbundesamt über 22 Monate Verpackungsgesetz (VerpackG). Laut ihrem Fazit komme man voran. Damit klopfen sich ZSVR und das Umweltbundesamt zu früh auf die Schulter und übersehen eindeutige Mängel, findet Laura Griestop – Projektmanagerin Wirtschaft und Märkte bei WWF Deutschland:

 „Das Inkrafttreten des VerpackG Anfang 2019 war ein wichtiger Schritt. Dank ihm wurden unter anderem die Recyclingquoten erhöht und die Zentrale Stelle Verpackungsregister geschaffen. Als Kontrollorgan stellt diese sicher, dass Hersteller und Händler von Verpackungen ihren Beitrag zur Rücknahme und Verwertung der Verpackungsabfälle leisten. Leider bleibt das Gesetz aber an wichtigen Stellen zu vage. So finden sich im Gesetzestext ungeachtet unseres hohen Ressourcenverbrauchs keine konkreten Reduktionsziele. Das rächt sich in der Praxis, wie aktuelle Entwicklungen zeigen. Die Verpackungsmengen sind in den letzten Jahren gestiegen und es gibt Indizien dafür, dass sich dieser Trend weiter fortsetzt. Weiterhin sind trotz konkreter Vorgaben Mehrwegsysteme bei Getränkeverpackungen rückläufig und nicht trennbare – also schwer oder gar nicht zu recycelnde – Verpackungen weiterhin allgegenwärtig.

Das Gesetz muss daher dringend nachgeschärft werden. Es gilt, den Verbrauch von Ressourcen insgesamt zu reduzieren und Abfälle wirksam zu vermeiden. Üppige, nicht recyclingfähige Verpackungen sollten deutlich teurer sein als solche, die ressourcenarm gestaltet, recyclingfähig und aus Rezyklat bestehen. Das VerpackG enthält zwar Vorgaben zur ökologischen Gestaltung von Verpackungen. Sie verpuffen aber, wenn die Preise dem freien Markt überlassen werden. Recyclingfähige und nicht recyclingfähige Verpackungen müssen sich im Preis deutlich unterscheiden. Gleichzeitig muss der Rückzug der Mehrweglösungen bei Getränken aufgehalten werden. Von den im VerpackG angestrebten 70 Prozent sind gerade einmal etwas mehr als 40 Prozent Realität. Es fehlt eine unabhängige Kontrollinstanz, die transparent dokumentiert und eingreift, wenn Ziele – wie etwa der Anteil der in Mehrwegverpackungen abgefüllten Getränke – nicht erreicht werden. Schlussendlich muss die Bundesregierung endlich ganzheitliche Konzepte mit konkreten Zielen, Maßnahmen und Zeitvorgaben formulieren und sie im VerpackG verankern. Nur so wird aus dem VerpackG kein zahnloser Tiger!“

UBA: Onlinemarktplätze müssen besser kontrolliert werden

Das Umweltbundesamt (UBA) schlägt vor, Betreiberinnen und Betreiber von Onlinemarkplätzen zu verpflichten, die Einhaltung des Verpackungsgesetzes auf ihren Plattformen sicherzustellen. "Auch digitale Marktplätze können mehr für den Umweltschutz tun. Wir empfehlen daher, dass alle Onlineplattformen künftig vor dem Verkauf von Waren prüfen, ob sich die Verkäuferinnen und Verkäufer an die Pflicht zur Registrierung im Verpackungsregister gehalten haben. Dies sollte gesetzlich festgeschrieben werden", so UBA-Präsident Dirk Messner. Seit dem 1. Januar 2019 besteht die Pflicht für Herstellerinnen und Hersteller von Verpackungen, die typischerweise beim privaten Endverbraucher als Abfall anfallen, sich im Verpackungsregister zu registrieren. Sie werden dann an den Kosten der Sammlung und Verwertung beteiligt. Bislang haben sich knapp 200.000 Unternehmen registriert, das ist ein Zuwachs von gut 17 Prozent gegenüber 2019. Damit kommen heute rund drei Mal so viele Unternehmen ihrer Produktverantwortung nach, wie noch vor vier Jahren.

Durch das neue Verpackungsgesetz ist die Verpackungsentsorgung in Bewegung geraten. Ein sehr hoher Anteil – derzeit rund 80 bis 90 Prozent – der bei den dualen Systemen beteiligten Verpackungen geht auch tatsächlich ins Recycling und nicht in die Verbrennung. Bei Kunststoffverpackungen wurden 2019 rund 58,5 Prozent werkstofflich verwertet und damit eine gut 50 Prozent größere Menge als im Vorjahr. "Unsere Verpackungen werden in sehr großen Anteilen recycelt. Dem Märchen, es werde sowieso alles verbrannt, was in gelber Tonne oder gelbem Sack lande, kann ich in aller Deutlichkeit widersprechen", so Dirk Messner. Das Verpackungsgesetz leistet so einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Denn jede Tonne Kunststoff, die wir als Werkstoff recyceln, spart etwa zwei Tonnen CO2. Hochgerechnet auf die Gesamtmenge des werkstofflich recycelten Kunststoffs in Deutschland ergibt sich eine Einsparung von etwa 900.000 Tonnen CO2 pro Jahr.

2018 fielen in Deutschland einschließlich Gewerbe 18,9 Mio. Tonnen Verpackungsabfall an, das sind 227,5 kg pro Kopf. 8,9 Mio. Tonnen Verpackungsabfall fallen allein bei privaten Endverbraucherinnen und Endverbrauchern an, was 107,2 kg pro Einwohnerin und Einwohner und Jahr entspricht. Es gibt Möglichkeiten, dem entgegenzusteuern, so Dirk Messner: "Viele Produkte können auch mit weniger Verpackung oder sogar unverpackt verkauft werden, etwa große Teile des Obst- und Gemüsesortiments im Supermarkt."

Weitere Potentiale zur Verpackungsvermeidung bieten Mehrweg-Versandverpackungen im Onlinehandel und Mehrweg-"To-Go"-Verpackungen, also für Essen und Trinken unterwegs. Hier geht der Trend genau in die falsche Richtung: Bei Getränkeverpackungen sinkt der Mehrweganteil seit Jahren. Er betrug 2018 nur noch 41,2 Prozent. Eine Trendumkehr ist dringend nötig und auch möglich. So sollten nach Auffassung des Umweltbundesamtes Discounter Getränke auch in Mehrwegflaschen anbieten, zu gleichen oder niedrigeren Preisen als Einweg. Auch im Online-Handel könnten deutlich mehr Mehrweg-Versandverpackungen zum Einsatz kommen, die von den Kundinnen und Kunden kostenlos zurückgeschickt werden können.

Wo Mehrwegverpackungen keine Option sind, sollten die Verpackungen nicht nur materialsparend designt sein, sondern auch Rezyklate enthalten. Grundsätzlich könnten auch viel mehr Verpackungen aus Rezyklaten aus dem gelben Sack/der gelben Tonne hergestellt werden. Rezyklate werden bisher etwa in Verpackungen für Reinigungsmittel und Farben eingesetzt. "Ich sehe da deutlich mehr Potentiale. Auch bei Pflanztöpfen, Paletten oder Baumarktartikeln können deutlich mehr Rezyklate eingesetzt werden. Dass Verpackungen aus recycelten Verpackungsabfällen aus der gelben Tonne die Regel werden, sollte unser Ziel sein. Nur so können wir Kreisläufe schließen und den Bedarf an Rohstoffen reduzieren", so Dirk Messner. Die EU-Einwegkunststoff-Richtlinie schreibt nunmehr einen Rezyklateinsatz in PET-Einwegflaschen von 25 Prozent ab 2025 und 30 Prozent in allen Einwegflaschen aus Kunststoff ab 2030 vor. Auch der neue Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft als Teil des Europäischen Green Deal zielt darauf ab, die Rate der Verwendung von Sekundärmaterialien deutlich zu erhöhen.

Diagramm: Entwicklung der in Deutschland angefallenen VerpackungsabfälleEntwicklung der in Deutschland angefallenen Verpackungsabfälle
Quelle: Umweltbundesamt



Seit 2010 ist der Verpackungsverbrauch damit um 17,9 Prozent gestiegen
VKU: Bei der Organisation der Verpackungsentsorgung sind zahlreiche Probleme ungelöst

200.000 Hersteller kommen ihren Pflichten nach dem Verpackungsgesetz nach
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Verpackungsverbrauch 2018 weiter gestiegen
UBA: Mehrweg und Recycling müssen ausgebaut werden

erschienen am: 2020-11-19 im europaticker



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