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Steigerung der Recyclingquote bei Getränkeflaschen ist die beste Lösung
WKÖ warnt vor einseitigen Teillösungen und Verteuerung von Getränken
Kunststoffindustrie: Mehrweg darf kein Selbstzweck sein

Greenpeace und die Arbeiterkammer fordern einen Umstieg auf Mehrwegsysteme bei Getränkeflaschen. In einer heute präsentierten Studie wurden Maßnahmen vorgestellt, mit denen umfassende Marktveränderungen bei Verpackungen in Österreich durchgeführt werden sollen. Aus Sicht der Kunststoffindustrie sind Mehrweggebinde im Sinne der Abfallvermeidung zwar begrüßenswert, jedoch nur dort, wo sie auch ökologisch Sinn machen. Insbesondere die Klimabelastung darf man bei der Entscheidung, welches Verpackungsmaterial verwendet werden soll, nicht außer Acht lassen.

Betrachtet man die Ökobilanzen von Kunststoff- und Glasflaschen, so zeigt sich, dass Glas nur bei einem regionalen Vertrieb unterhalb von 60 Kilometern umweltfreundlicher ist, wie eine Studie im Auftrag des Umweltministeriums belegt. Grund dafür ist das höhere Gewicht, welches beim Transport zu höheren Treibhausgasbelastungen führt. Berechnungen in zahlreichen Studien zeigen, dass alternative Verpackungsmaterialien im Vergleich zu Kunststoff im Schnitt mehr als dreimal so schwer sind. Ein Umstieg auf diese würde den Energieverbrauch im Schnitt um den Faktor 2,2 erhöhen und die Treibhausgasemissionen um den Faktor 2,7 steigen lassen. Die beste Ökobilanz weisen im Übrigen PET-Mehrweg-Flaschen auf. Durch sie wird auch eine weitaus geringere Abfallmenge verursacht, was die Studienautoren selbst bestätigen. Und auch bei der Herstellung sind Kunststoffverpackungen weitaus weniger energieaufwändig und damit klimaschädlich als andere Materialien.

Wer über eine Ausweitung von Mehrweg nachdenkt, sollte deshalb schon alleine aus Gründen des Klimaschutzes Kunststoff als Verpackungsmaterial berücksichtigen. "Bei der Bewertung von Verpackungen im Lebensmittelbereich brauchen wir eine faktenbasierte Diskussion ohne ideologische Scheuklappen. Ökobilanzen sind eine gute Entscheidungsgrundlage für den Einsatz von Verpackungsarten. Letztendlich wird eine Vielzahl unterschiedlicher Maßnahmen am zielführendsten sein. Mehrweg ist in bestimmten Fällen sinnvoll, darf aber kein Selbstzweck sein, wenn andere Alternativen nachhaltiger sind“, so Sylvia Hofinger, Geschäftsführerin des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO).

Kunststoffrecycling Schlüssel zur Nachhaltigkeit

Statt eines Banns auf Kunststoffverpackungen, wäre der Ausbau des Kunststoffrecyclings in Österreich eine weitaus sinnvollere Lösung. Denn, ein großer Vorteil von Kunststoff ist seine hohe Wiederverwertungsfähigkeit. Das Material lässt sich vielfach wiederaufbereiten. Materialverluste entstehen vor allem bei Sammlung und Sortierung von Flaschen, die aber anderweitig verwertet werden können. Verschlüsse von Flaschen etwa sind sehr gefragt für unterschiedliche hochwertige stoffliche Verwertungen.

Bisher werden in Österreich zwar 100 Prozent der Kunststoffverpackungsabfälle verwertet, aber nur 25 Prozent recycelt. Um diese Quote zu erhöhen ist der Ausbau von Sammel- und Sortiersystemen von zentraler Bedeutung. Damit könnte auch eine, bisher noch nicht vorhandene, ausreichende Versorgung der Kunststoffproduzenten mit Rezyklat in benötigter Qualität und Quantität gewährleistet und so der Nutzen von Kunststoffverpackungen noch einmal erhöht werden. „Der Ausbau von Sammlungs- und Sortierungssystemen im Bereich Kunststoff ist sinnvoller und kostengünstiger als ein kompletter Umbau der heimischen Verpackungslandschaft. Generell ist es in einem Land mit funktionierender Abfallwirtschaft wie Österreich weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll, eine Verpackungsart komplett zu ersetzen. Der beste Weg, Kunststoffabfälle zu reduzieren, liegt im Auf- und Ausbau einer Kreislaufwirtschaft und in der Optimierung von Kunststoffverpackungen“, so Hofinger.

Mehrwegquoten schränken Wahlfreiheit der Konsumenten ein

„Die Wirtschaftskammer Österreich unterstützt ganz klar Maßnahmen, die zur Erreichung der EU-Ziele beitragen“, sagt Stephan Schwarzer, Leiter der Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Die heute von Greenpeace, Arbeiterkammer und Ökologieinstitut vorgestellten Maßnahmen wie eine betriebliche Mehrwegquote samt Strafzahlungen für Großbetriebe, die die Quote nicht erfüllen, seien aber nicht zielführend. „Die Vorschläge sind in vielen Bereichen nichts Neues und zum Teil schon lange überholt. Das vorgeschlagene Regulativ ist bürokratisch und teuer“, kritisiert Schwarzer. Die Kosten würden die Konsumenten belasten, und für die EU-Ziele wäre für zusätzliche Maßnahmen dennoch weiteres Geld in die Hand zu nehmen. Jedenfalls würde dadurch das Einkaufen verteuert werden.

In Österreich hat sich der Mehrweganteil schon seit Jahren stabilisiert und entwickelt sich zuletzt sogar schon aufwärts. „Das zeigt, dass die Haushalte ihre Konsumentscheidungen bewusst treffen und keiner Lenkungsmaßnahmen bedürfen. Beim Recycling von Getränkeverpackungen ist Österreich Europameister. Wir werden es noch einmal ausbauen, um den Österreicherinnen und Österreichern das beste und komfortabelste Sammelsystem zur Verfügung zu stellen. Vergleicht man heute, nach enormen Optimierungserfolgen, Einweg- und Mehrweggebinde, so zeigen Ökobilanzen keine signifikanten Unterschiede mehr“, betont Schwarzer.

Um die von der EU angepeilte Quote von 50 Prozent bis 2025 bzw. 55 Prozent bis 2030 für das Kunststoff-Recycling von Verpackungen zu erreichen, muss die Sammelmenge aller Verpackungen (also nicht nur der Getränkeverpackungen) gesteigert und ein Teil zusätzlich auch aus dem Restmüll aussortiert werden.

„Die Einführung aufwändiger Mehrweg- oder Einwegregulative nimmt den Konsumentinnen und Konsumenten die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, was für sie richtig ist, und ist daher der falsche Weg“, so der WKÖ-Experte.

Über den FCIO:

Der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) ist die gesetzliche Interessenvertretung der chemischen Industrie in Österreich. Derzeit vertritt der Verband etwa 250 Unternehmen aus der chemischen Industrie, welche neben der Kunststoff- und Pharmaindustrie auch die Produktion von organischen und anorganischen Chemikalien, Chemiefasern und Lacken umfassen. Mehr als 45.000 Beschäftigte in der chemischen Industrie haben 2018 Waren im Wert von über 16 Milliarden Euro hergestellt. Der FCIO setzt sich für einen ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltigen und attraktiven Chemiestandort Österreich mit einem forschungs- und technologiefreundlichen Umfeld ein. www.fcio.at

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erschienen am: 2020-02-13 im europaticker



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