Erneut meldet sich ein Landwirt aus Delitzsch zu Wort und versucht die Abfallaufbereitungsanlage in Pohritzsch in den Bereich der Kriminalität zu ziehen. Dietmar M. ist unterdessen kein Unbekannter, der sich einen eigenen Bürgerverein mit dem hübschen Namen „Sauberes Delitzscher Land“ hält. Mit seinem „Einmann-Verein“ tritt er immer dann an die Öffentlichkeit, wenn seine Landwirtschaft ihn nicht fordert. Der offenbar wenig ausgelastet Landwirt hat schon in Brüssel Beschwerde gegen die Abfallgebühren erhoben, riesige Mengen Italo-Müll auf der Leipziger Zentraldeponie Cröbern ausgemacht und als sein Lieblingsfeind gilt Landrat Michael Czupalla (CDU).
Die Müllverarbeitungsanlage S.D.R. Biotec in Pohritzsch an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt wird ein Fall für die Staatsanwaltschaft, verkündet Dietmar M. jetzt. Der Bürgerverein «Sauberes Delitzscher Land» habe Anzeige gegen das Unternehmen erstattet wegen des Verdachts der «Scheinverwertung von zum Teil gefährlichen Abfällen». Die sogenannte Immobilisierungstechnik, die das Unternehmen anwendet, sei nicht ausreichend getestet. Daher sei nicht klar, ob die behandelten Schadstoffe wirklich unschädlich für Mensch und Umwelt seien, erklärte M. forsch in Zschepen. Gutachten von namhaften Instituten will M. einfach nicht zur Kenntnis nehmen und das ärgert Geschäftsführer Jörg Schmidt mächtig.
Dietmar M. hatte die S.D.R. Biotec vor knapp einem Jahr schon einmal in die Schlagzeilen gebracht, als er die Deutsche Umwelthilfe (DUH) vorübergehend auf seine Seite ziehen konnte. Dem Umweltverband hatte M. Bodenproben „untergeschoben“, die nachweisen sollten, dass die Straßenbankette zum Betriebsgelände verseucht seien. Kleiner Schönheitsfehler: Die Proben konnten nicht aus Pohritzsch stammen. Dort wurden die Straßen gerade neu angelegt. Dietmar M. behauptete: „Bodenproben aus der unmittelbaren Umgebung des Betriebsgeländes untersucht zu haben. Dabei wäre herausgekommen, dass der Boden beispielsweise an den Straßenrändern weit über die zulässigen Grenzwerte mit Schwermetallen wie Blei, Cadmium, aber auch Arsen belastet waren“.
Dietmar M. hätte in der Expertise des Labor für Materialprüfung und Analyse GmbH nachlesen können: „Durch Vergleich der Untersuchungsergebnisse von frisch konditionierten Proben, relativ kurzzeitig gelagerten Stabilisaten (bis 28 Tage) und Bohrproben aus langjährig existierenden Deponien konnten die genannten Prozesse der Mineral- und Gefügebildung infolge zunehmender Annäherung an thermodynamische Gleichgewichte eindeutig nachgewiesen werden. Damit ist auf naturwissenschaftlicher Grundlage sowohl das von S.D.R. Biotec angewendete Verfahren der Konditionierung von Abfällen als auch dessen schadstoffimmobilisierender Langzeiteffekt als wirkungsvoll bestätigt worden.“ Das Gutachten liegt der Redaktion vor und kann hier abgefordert werden. Auch den zuständigen Genehmigungsbehörden ist die Expertise bekannt.
Lieblingsfeind Michael Czupalla hofft, dass Dietmar M. nicht wie mit seiner letzten Aktion wieder die Gemüse- und Obstbauern in Bedrängnis bringt. Große Lebensmittelmärkte hatten unter anderem die Annahme von Spargel aus der weiteren Umgebung des Unternehmens verweigert, nachdem der Grüne Politiker Johannes Lichdi ebenfalls auf M. hereingefallen war und mit Hilfe der „BILD-Zeitung“ die Verseuchung von rund 5 Kilometer entfernten Spargelfeldern ausgemacht hatte.

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