europaticker: VCÖ: EU bewertet Klimabilanz von Biotreibstoffen besser als sie tatsächlich ist

Bessere Kriterien der EU nötig, sonst Ruf von allen Biotreibstoffen in Gefahr

Die EU forciert den Einsatz von Biotreibstoffen als Maßnahme, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Nun zeigen erneut Studien, dass Biotreibstoffe nicht automatisch eine bessere CO2-Bilanz aufweisen. Die Klimabilanz ist nur dann besser als jene von herkömmlichen Diesel und Benzin, wenn umfassende Nachhaltigkeitskriterien eingehalten werden. Der Verkehrsclub Österreich Verkehrsclub Österreich (VCÖ) fordert den raschen Beschluss dieser Kriterien durch die EU. Bis morgen müssen die EU-Mitgliedstaaten ihren Nationalen Aktionsplan für erneuerbare Energie der EU vorlegen.

Der Verkehr ist in der EU der größte Energiefresser. Da ein Großteil der Energie des Verkehrs von Erdöl kommt, sind die CO2-Emissionen sehr hoch. "Die EU verpflichtet die Mitgliedsländer, die CO2-Emissionen des Verkehrs zu verringern, was ja positiv ist. Der Haken ist aber, dass dieses Ziel mit dem Einsatz von mehr Biotreibstoffen verknüpft ist. Und das, obwohl zahlreiche Studien zeigen, dass die Klimabilanz von nach Europa importiertem Biodiesel oft genauso schlecht ist wie von herkömmlichen Diesel", macht VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen aufmerksam.

Heute ist eine Studie des renommierten holländischen Instituts CE Delft erschienen. Diese Studie berücksichtigt, dass durch den Anbau von Energiepflanzen für die Nahrungsmittelproduktion neue Flächen gerodet werden müssen. Wissenschafter weisen seit längerem darauf hin, dass diese indirekte Landnutzungsänderung (ILUC - Indirect Landuse Changes) in die Klimabilanz der biogenen Treibstoffe eingerechnet werden müssen. Die Folge: Viele importierte "Biotreibstoffe" schneiden genauso schlecht ab wie herkömmlicher Diesel.

Der VCÖ fordert, dass die EU umfassende Nachhaltigkeitskriterien erstellt, die verhindern, dass klimaschädliche Agrokraftstoffe in der EU verwendet werden. Die so genannten indirekten Landnutzungsänderungen müssen dabei berücksichtigt werden. "Es besteht die große Gefahr, dass alle Biotreibstoffe in Verruf kommen, weil die EU-Kriterien mangelhaft sind. Das würde für Österreichs Hersteller wirtschaftlich negative Folgen haben", macht VCÖ-Expertin Rasmussen aufmerksam.

Für Österreich sind umfassende Nachhaltigkeitskriterien für Biotreibstoffe auch deshalb wichtig, weil laut Österreichischer Energiestrategie der Anteil der Biotreibstoffe bis zum Jahr 2020 verdoppelt wird. In Österreich hat der Verkehr den größten Anteil am Endenergieverbrauch. "90 Prozent der Energie kommen vom Erdöl, wodurch die CO2-Emissionen des Verkehrs sehr hoch sind. Auch die Öl-Katastrophe am Golf von Mexiko zeigt, wie wichtig es ist, den Erdölverbrauch zu verringern. Echte Biotreibstoffe können einen Teil dazu leisten, ebenso die Elektro-Mobilität. Wichtigste und klimafreundlichste Maßnahme ist aber eine stärkere Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf umweltfreundliche Verkehrsmittel", stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest.

Eine aktuelle VCÖ-Untersuchung zeigt, dass in Österreich 70 Prozent der zurückgelegten Kilometer mit dem Auto gefahren werden. In Summe sind das rund 73,3 Milliarden Personenkilometer pro Jahr. Der VCÖ betont, dass bis zum Jahr 2020 eine Verringerung um 15 Prozent auf 62,3 Mrd. Personenkilometer realistisch erreicht werden kann.

(Verkehrsclub Österreich)
Quelle/Autor: Europaticker 
erschienen am: 2010-06-29

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