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Schlacken, Stäube und Schlämme werden oft unter hohem Kostenaufwand deponiert

Die Mantelverordnung Grundwasser/Ersatzbaustoffe/Bodenschutz ist eines der zentralen und zugleich kontrovers diskutierten Vorhaben der Rechtssetzung in der kommenden Legislaturperiode. Sie wird gewaltige Mengen mineralischer Stoffe in Deutschland lenken – entweder in die Verwertung als Ersatzbaustoffe in technischen Bauwerken wie Straßen oder in die Ablagerung auf Deponien. Die Interessen zahlreicher Akteure werden von der konkreten Ausgestaltung dieser Rechtsnorm erheblich betroffen sein. Dementsprechend heftig waren die Reaktionen auf die beiden bislang vom Bundesumweltministerium vorgelegten Arbeitsentwürfe. Unmittelbar nach der Bundestagswahl wird auf der Berliner Schlackenkonferenz der aktuelle Diskussionsstand zur Mantelverordnung referiert werden. Dr. Jörg Demmich von der Knauf Gips KG wird hierzu aus Sicht der Industrie Stellung nehmen. Die Herren Dipl.-Ing Christoph Pichler, Dipl.-Ing Alois Unger, Dr. Jürgen Antrekowitsch und Christian Doppler vom Labor für Optimierung und Biomasseeinsatz beim Recycling von Schwermetallen am Institut für Nichteisenmetallurgie der Montanuniverstät Leoben / Österreich werden über die Rückgewinnung von Wertmetallen aus Stahlwerksstäuben durch ein reduzierendes Metallbad berichten:

Dr. Jürgen Antrekowitsch
Dr. Jürgen Antrekowitsch
Im Zuge der Stahlproduktion fallen Reststoffe wie Schlacken, Stäube und Schlämme an, welche unter oft hohem Kostenaufwand deponiert bzw. im Fall der Stäube an Recyclingbetriebe abgetreten werden. Beispielsweise beläuft sich die anfallende Menge an Elektrolichtbogenofenstaub auf 15 bis 20 kg/tRohstahl, wobei die Konzentration an Zink bis 40 Gew.-% betragen kann. Zink ist in Europa aufgrund seiner sehr hohen ökonomischen Wichtigkeit auf der Schwelle zum kritischen Rohstoff. Basierend auf diesen und weiteren Aspekten, wie beispielsweise dem Wunsch nach Souveränität, besteht das Interesse seitens der Industrie an einem dezentralisierten, in das Hüttenwerk implementierten, Recyclingprozess.
Bei der Entwicklung des Metallbadprozesses, zur Rückgewinnung von Wertmetallen aus der Hüttenindustrie, erfolgten neben thermodynamischen Betrachtungen und Kleinversuchen auch Versuche am Top Blown Rotary Converter (TBRC) im 50 kg Maßstab. .

Die Praxis des Einsatzes von Ersatzbaustoffen in Bayern wird der Leitende Baudirektor Christian Daehn vom Bayerischen Landesamt für Umwelt vorstellen.
Auch die deutschsprachigen Nachbarländer befinden sich im Hinblick auf die rechtlichen Einsatzbedingungen für mineralische Ersatzbaustoffe im Umbruch:
In Österreich stellt sich die Frage der Verwertung von Schlacken aus diversen Industriezweigen derzeit als politisch sehr heiß diskutiertes Thema dar. Der Entwurf einer Recyclingbaustoff-Verordnung liegt vor.
In der Schweiz ist die Schlackenentsorgung in der Technischen Verordnung für Abfälle (TVA) geregelt. Diese stellt sehr strenge Anforderungen bezüglich der Schadstoffkonzentrationen im Feststoff und im Eluat, so dass dies einem Einsatzverbot für die meisten Schlacken gleichkommt. Die Verordnung wird derzeit totalrevidiert.
Neben der Vorstellung der einschlägigen Rechtsnormen im deutschsprachigen Raum werden in der Plenarsitzung am ersten Konferenztag auch technische und wirtschaftliche Themen referiert, unter anderem zu
• Nebenprodukten aus Stahlwerken,
• zertifizierten Flugaschen aus Steinkohlekraftwerken,
• Rückständen aus thermischen Prozessen und zur
• Verwertung mineralischer Sekundärrohstoffe in der Zementindustrie.

So geht Dr. Michael Heußen, Geschäftsführer der Lech-Stahlwerke GmbH, auf das Ressourcenmanagement für Elektrostahlwerke ein. Professor Franz-Georg Simon von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung präsentiert Forschungsergebnisse zur Optimierung der Metallausbeute aus Rostaschen der Abfallverbrennungsanlagen.
Am zweiten Konferenztag gibt es zwei Parallelveranstaltungen:

Nebenprodukte aus der Metallurgie
In dieser Sitzung werden zum einen Maßnahmen zur prozessintegrierten Qualitätsoptimierung von Schlacken sowie deren Aufbereitung zur Herstellung hochwertiger Baustoffe präsentiert.
Zum anderen werden Verfahren vorgestellt, mit denen aus Schlacken, Aschen und Stäuben aus metallurgischen Prozessen Wertmetalle zurück gewonnen werden können. Als Sonderthema wird ein Forschungsprojekt zur Wertstoffgewinnung aus Hüttenhalden – auch unter dem Aspekt der Reduktion von Rohstoffimporten – vorgestellt.
Den Schwerpunkt bilden die Nebenprodukte aus der Eisen- und Stahlherstellung (Eisenhüttenschlacken, Stahlwerksschlacken und -stäube). Die Vorträge kommen überwiegend aus Forschungsinstituten – zum Beispiel von Fraunhofer UMSICHT – sowie der Metallindustrie oder Industriekooperationen – zum Beispiel von ThyssenKrupp Resource Technologies GmbH und von Salzgitter Flachstahl GmbH.
Professor Bernd Friedrich von der RWTH Aachen und Professor Helmut Antrekowitsch von der Montanuniversität Leoben berichten über Forschungsergebnisse aus der Nichteisen-Metallurgie.

Rückstände aus der Verbrennung von Abfällen und Biomassen
In der zweiten Parallelsitzung werden zunächst die Aschen/Schlacken betrachtet, die den Hauptanteil der Rückstände aus der Abfallverbrennung ausmachen. Einführend geht Professor Rüdiger Deike von der Universität Duisburg-Essen auf die Recyclingpotentiale von Metallen ein. Nachfolgend wird die Metallrückgewinnung aus klassisch nass ausgetragener sowie aus trocken ausgetragener MVA-Schlacke gegenübergestellt. Der Rückgewinnung von Kupfer ist ein gesonderter Vortrag gewidmet. Schließlich stellen zwei Anlagenbauer Inertisierungsverfahren für Rost-Aschen/Schlacken und Wirbelschicht-Aschen vor.
Die Stäube aus der Verbrennung von Abfällen bilden einen eigenen Themenkreis. Es wird ein Überblick über das Potential der Metalle in Stäuben gegeben. Anschließend werden ein Verfahren zur Zinkrückgewinnung aus Filterstäuben und ein Verfahren zum Recycling der Reaktionsprodukte aus der Abgasreinigung mit Natriumbicarbonat vorgestellt.
Die Berliner Schlackenkonferenz – Aschen, Schlacken, Stäube aus Metallurgie und Abfallverbrennung – findet am 23. und 24. September 2013 unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Dr. Dr. h.c. Karl J. Thomé-Kozmiensky statt. Die Fachzeitschrift recovery ist Medienpartner der Konferenz. Der Programmflyer kann unter www.vivis.de heruntergeladen werden.

Hier gelangen Sie zur vollständigen Programmübersicht

erschienen am: 2013-09-10 im europaticker

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